Abszess

Ein Abszess im Zahn- und Kieferbereich ist eine umschriebene Eiteransammlung, die häufig von einem erkrankten Zahn oder dem Zahnhalteapparat ausgeht. Fachsprachlich wird dann von einem odontogenen Abszess gesprochen. Umgangssprachlich ist auch der Begriff Zahnabszess gebräuchlich.

Schnittdarstellung eines kariösen Backenzahns mit Entzündung und beginnender Eiteransammlung an der Wurzelspitze

Ein Abszess kann zunächst auf den Bereich um die Wurzelspitze begrenzt bleiben. Durchbricht die Infektion den Kieferknochen, kann sie sich in angrenzende Weichgewebe ausbreiten. Im Unterkiefer sind unter anderem Verläufe zur Wangenseite sowie zur Zungenseite und zum Mundboden möglich.

Die folgenden Abbildungen zeigen beispielhaft die Entstehung und Ausbreitung eines von einem kariösen Unterkieferbackenzahn ausgehenden Abszesses.

Odontogene Infektionen können unter anderem von tiefer Karies, apikaler Parodontitis, parodontalen Erkrankungen, Periimplantitis oder weiteren Infektionsquellen im Zahn- und Kieferbereich ausgehen. Quelle: DGMKG und DGZMK, S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“, Langfassung, Version 4.1, 2026

Wie entsteht ein Abszess am Zahn?

Häufig beginnt die Infektion mit einer tiefen Karies. Gelangen Bakterien bis in das Zahninnere, kann sich das Zahnmark entzünden und schließlich absterben. Die Bakterien können sich anschließend über den Wurzelkanal bis zur Wurzelspitze ausbreiten.

Im umliegenden Gewebe entsteht zunächst eine entzündliche Reaktion. Sammelt sich Eiter in einem abgegrenzten Hohlraum, liegt ein Abszess vor. Neben kariösen Zähnen können auch Erkrankungen des Zahnhalteapparats, nicht abgeschlossene Wurzelkanalbehandlungen oder andere Infektionsquellen im Zahn- und Kieferbereich eine Rolle spielen.

Die aktuelle S3-Leitlinie nennt unter anderem tiefe Karies, apikale Parodontitis, Parodontitis und nicht abgeschlossene endodontische Behandlungen als mögliche Zusammenhänge beziehungsweise Ursachen odontogener Infektionen. Quelle: DGMKG und DGZMK, S3-Leitlinie „Odontogene Infektionen“, Version 4.1, 2026

Kariöser Backenzahn mit großer entzündlicher Veränderung und Eiterbildung an der Wurzelspitze
Entzündliche Veränderung an der Wurzelspitze eines kariösen Backenzahns
Abszess an der Wurzelspitze mit Ausbreitung durch den Kieferknochen in Richtung Wangenschleimhaut
Fortgeschrittener odontogener Abszess mit Durchbruch durch die bukkale Knochenwand und Ausbreitung in die Weichgewebe der Wange.

Wie kann sich ein Abszess ausbreiten?

Der weitere Verlauf hängt unter anderem von der Lage des verursachenden Zahns, der Wurzeln, den Muskelansätzen und der Dicke der umgebenden Knochenwände ab. Durchbricht die Infektion den Kieferknochen, kann sie sich in unterschiedliche benachbarte Geweberäume ausbreiten.

Im Unterkiefer kann der Durchbruch zur äußeren Wangenseite oder zur inneren Zungenseite erfolgen. Eine Ausbreitungstendenz zeigt sich unter anderem durch zunehmende Schwellung, eingeschränkte Mundöffnung, Schluckbeschwerden, einen angehobenen Mundboden, kloßige Sprache, Fieber oder Atemnot.

Zahnabszess an der Wurzelspitze mit Ausbreitung durch den Kieferknochen zur Zungenseite des Unterkiefers
Abszess mit fortgeschrittener lingualer Ausbreitung in Richtung Zungenseite und starker Schwellung im Mundboden – ACHTUNG!

Bukkaler Verlauf zur Wangenseite

Bei einer bukkalen Ausbreitung durchbricht die Infektion die äußere Knochenwand des Unterkiefers. Der Eiter kann sich zunächst unter der Schleimhaut neben dem betroffenen Zahn sammeln und anschließend in Richtung Wange ausbreiten.

Der Verlauf kann von einer örtlich begrenzten Schwellung bis zu einer ausgeprägten Wangen- oder Gesichtsschwellung reichen. Eine zunehmende extraorale Schwellung kann ein Zeichen für eine sich ausbreitende odontogene Infektion sein.

Bildserie zum Verlauf eines Zahnabszesses von der Entzündung an der Wurzelspitze über den bukkalen Knochendurchbruch bis zur Schwellung auf der Zungenseite
Verlauf und fortgeschrittene bukkale Ausbreitung durch den Knochen mit sichtbarer Wangenschwellung

Lingualer Verlauf zur Zungenseite und zum Mundboden

Bei einer lingualen Ausbreitung durchbricht die Infektion die innere Knochenwand des Unterkiefers. Je nach Lage des betroffenen Zahns und den anatomischen Verhältnissen kann sich die Infektion zur Zungenseite oder in Richtung Mundboden ausbreiten.

Eine örtlich begrenzte linguale Schwellung ist nicht automatisch lebensbedrohlich. Breitet sich die Infektion jedoch in den Mundboden oder in tiefere Halsräume aus, können der Mundboden angehoben, die Zunge verdrängt und die Atemwege beeinträchtigt werden. Odontogene Infektionen mit Ausbreitungstendenz können durch eine Verlegung der Atemwege lebensbedrohlich werden. Quelle: Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme, Management of spreading or systemic infection

Verlauf mit fortgeschrittener lingualer Ausbreitung in Richtung Zungenseite und Mundboden – ACHTUNG!

Welche Beschwerden kann ein Abszess verursachen?

Mögliche Beschwerden sind Schmerzen, Druck- und Aufbissempfindlichkeit, eine Schwellung am Zahnfleisch sowie eine zunehmende Schwellung im Gesicht oder am Hals. Zusätzlich können Fieber, Abgeschlagenheit, geschwollene Lymphknoten oder eine eingeschränkte Mundöffnung auftreten.

Die Beschwerden müssen nicht bei allen Betroffenen gleich stark ausgeprägt sein. Entleert sich Eiter teilweise in die Mundhöhle, können Druck und Schmerzen vorübergehend nachlassen. Die Infektionsursache ist dadurch jedoch nicht automatisch beseitigt.

Schmerzen, Empfindlichkeit beim Kauen, Schwellungen von Zahnfleisch, Gesicht oder Hals sowie Fieber werden auch in der SDCEP-Empfehlung als mögliche Zeichen eines akuten apikalen Abszesses genannt. Quelle: Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme: Acute apical abscess

Wann ist ein Abszess ein Notfall?

Sofortige Hilfe bei Atem- oder Schluckbeschwerden

Eine rasch zunehmende Schwellung im Mundboden, Gesicht oder Hals, Schluckbeschwerden, Atemnot, eine angehobene oder verdrängte Zunge, eine kloßige oder veränderte Stimme sowie eine stark eingeschränkte Mundöffnung müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.

Bei Atemnot oder einer akuten Beeinträchtigung der Atemwege ist unverzüglich die Rettung unter 144 oder der Euronotruf unter 112 zu verständigen.

Quelle: Republik Österreich, Notrufnummern in Österreich

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