Karies

Karies ist eine Erkrankung der Zahnhartsubstanz. Sie entsteht, wenn sich auf der Zahnoberfläche ein kariogener Biofilm bildet und darin enthaltene Bakterien Zucker und andere vergärbare Kohlenhydrate verstoffwechseln. Dabei entstehen Säuren, die dem Zahnschmelz Mineralien entziehen.

Überwiegen diese Säureangriffe dauerhaft gegenüber den schützenden und remineralisierenden Einflüssen von Speichel und Fluorid, schreitet die Demineralisation fort. Aus einer zunächst oberflächlichen Veränderung kann schließlich ein sichtbares „Loch“ im Zahn entstehen.

Wie entsteht Karies?

Karies entsteht nicht durch ein einzelnes Bakterium und auch nicht allein durch Zucker. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  • kariogener Biofilm beziehungsweise Plaque
  • häufige Aufnahme zuckerhaltiger Speisen und Getränke
  • wiederholte Säureangriffe auf die Zahnoberfläche
  • unzureichende Entfernung des Biofilms
  • geringe Fluoridverfügbarkeit
  • verminderter Speichelfluss
  • individuelle Zahnform und schwer zu reinigende Bereiche

Besonders gefährdet sind tiefe Fissuren und Grübchen der Backenzähne sowie die Kontaktflächen zwischen benachbarten Zähnen. Dort kann Biofilm lange unbemerkt verbleiben. Die aktuelle S3-Leitlinie beschreibt Karies als lokalisierte, biofilmassoziierte Erkrankung, bei der mikrobielle Säureeinwirkung die schützenden und remineralisierenden Einflüsse übersteigt. Quelle: DGZ und DGZMK, S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, Langfassung, Stand Januar 2025.

Wie entwickelt sich Karies?

1. Initialkaries

Zu Beginn verliert der Zahnschmelz Mineralien. Die Oberfläche kann noch vollständig intakt sein. Eine aktive Initialkaries erscheint häufig weißlich, matt oder kreidig, kann aber auch bräunlich verfärbt sein.

Querschnitt eines Backenzahns mit schmaler Fissurenkaries und beginnendem Einbruch der Schmelzoberfläche

In diesem Stadium besteht noch kein klassisches „Loch“. Wird die Ursache kontrolliert, kann die Läsion häufig stabilisiert und teilweise remineralisiert werden.

2. Schmelzeinbruch

Schreitet die Demineralisation weiter fort, verliert der Zahnschmelz seine Stabilität. Die Oberfläche bricht ein und es entsteht eine kleine Kavität.

Kleine kariöse Kavität in der Fissur eines Backenzahns nach Einbruch der Schmelzoberfläche

Der Defekt bietet dem Biofilm zusätzlichen Schutz. Die betroffene Stelle lässt sich mit der Zahnbürste oder Zahnseide zunehmend schlechter reinigen.

3. Dentinkaries

Nach dem Durchbruch durch den Zahnschmelz erreicht die Karies das darunterliegende Dentin. Dentin ist weniger stark mineralisiert als Zahnschmelz, weshalb sich die Läsion dort schneller und häufig auch seitlich ausbreiten kann.

Fortgeschrittene Karies der Kaufläche mit Kavität und Ausbreitung in das Dentin

Das betroffene Dentin kann gelblich, braun oder dunkel verfärbt und unterschiedlich weich sein. Häufig entsteht nun eine deutlich erkennbare Kavität.

4. Tiefe Karies und Pulpenbeteiligung

Bei einer tiefen Karies nähert sich der Defekt der Pulpa oder erreicht das Zahninnere. Die Pulpa enthält Blutgefäße, Bindegewebe und Nervenfasern.

Tiefe Karies der Kaufläche mit großer Kavität bis in die Pulpa

Eine bakterielle Reizung kann zunächst eine reversible und später eine irreversible Pulpitis verursachen. Stirbt das Pulpagewebe ab, können sich Bakterien über die Wurzelkanäle bis zur Wurzelspitze ausbreiten. Dort kann eine apikale Entzündung oder ein Abszess entstehen. Quelle: International Caries Detection and Assessment System: ICDAS – Kriterien zur Erkennung und Einteilung kariöser Läsionen.

Fissurenkaries

Fissuren sind schmale Vertiefungen auf den Kauflächen der Backenzähne. Aufgrund ihrer Form können sie teilweise nur schwer gereinigt werden.

Eine Fissurenkaries kann unter einer äußerlich nur gering veränderten Oberfläche bereits weiter in die Tiefe reichen. Nicht kavitierte kariöse Fissuren können abhängig von Aktivität und individuellem Risiko durch intensive Prävention und gegebenenfalls eine Fissurenversiegelung behandelt werden. Bei sichtbarer Kavitation oder nachgewiesener Dentinkaries ist in der Regel eine minimalinvasive, defektorientierte Versorgung notwendig. Quelle: DGKiZ, DGZ und DGZMK, S3-Leitlinie „Fissuren- und Grübchenversiegelung“, Stand 30. Juni 2024.

Approximalkaries oder Zwischenraumkaries

Approximalkaries entsteht an den Kontaktflächen zwischen zwei benachbarten Zähnen, häufig knapp unterhalb des Kontaktpunkts. Diese Stellen werden von der Zahnbürste nicht ausreichend erreicht.

Kariöse Kavität im Zahnschmelz zwischen zwei Backenzähnen

Eine Zwischenraumkaries bleibt deshalb oft lange unbemerkt. Zur Diagnose werden neben der klinischen Untersuchung je nach Situation Bissflügel-Röntgenaufnahmen oder ergänzende lichtbasierte Verfahren eingesetzt. Die Beurteilung erfolgt immer zusammen mit dem klinischen Befund und dem individuellen Kariesrisiko. Untersuchungen zeigen, dass visuelle Diagnostik, Bissflügelaufnahmen und Transillumination jeweils unterschiedliche Stärken bei der Erkennung approximaler Läsionen besitzen.

Ausgedehnte Zwischenraumkaries mit Kavität und Beteiligung des Dentins

Quelle: ORCA und EFCD, „Consensus Report on Clinical Recommendations for Caries Diagnosis – Paper I: Caries Lesion Detection and Depth Assessment“, 2024.

Welche Symptome verursacht Karies?

Eine beginnende Karies verursacht meist keine Beschwerden. Auch eine bereits in das Dentin reichende Läsion kann zunächst schmerzfrei bleiben.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Empfindlichkeit auf Süßes, Kaltes oder Saures
  • Ziehen oder kurze Schmerzen beim Essen
  • Speisereste, die regelmäßig an derselben Stelle hängen bleiben
  • sichtbare dunkle Verfärbungen oder ein Defekt
  • länger anhaltende Schmerzen auf Kälte oder Wärme
  • spontane oder nächtliche Zahnschmerzen
  • Schmerzen beim Zubeißen

Starke, anhaltende oder spontane Schmerzen können auf eine Beteiligung der Pulpa hinweisen.

Wie wird Karies festgestellt?

Die Diagnose beginnt mit der sorgfältigen Untersuchung gereinigter Zahnoberflächen. Dabei werden Farbe, Oberflächenstruktur, Kavitation und Aktivitätsmerkmale beurteilt.

Je nach Lage und Tiefe können zusätzlich eingesetzt werden:

  • Bissflügel-Röntgenaufnahmen
  • Vergrößerung und gute Ausleuchtung
  • Transillumination mit sichtbarem oder nahinfrarotem Licht
  • Verlaufskontrollen mit standardisierten Fotografien
  • individuelle Kariesrisikoanalyse
Schematische Bissflügel-Röntgenaufnahme mit approximalen Kariesläsionen an Prämolaren
Schematische Bissflügel-Röntgenaufnahme mit mehreren approximalen Kariesläsionen an Prämolaren und Molaren

Ein dunkler Fleck allein bedeutet nicht automatisch aktive Karies. Umgekehrt kann insbesondere eine Approximalkaries vorhanden sein, obwohl von außen kein sichtbares Loch erkennbar ist.

Wie wird Karies behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Tiefe, Aktivität, Lage und Reinigungsfähigkeit der Läsion sowie nach dem individuellen Kariesrisiko.

Nicht kavitierte Initialkaries

Eine beginnende Läsion ohne Oberflächeneinbruch kann häufig ohne Füllung behandelt werden. Dazu gehören:

  • konsequente Entfernung des Biofilms
  • fluoridhaltige Zahnpasta
  • individuelle Fluoridmaßnahmen
  • Verringerung der Zuckerfrequenz
  • Verbesserung der Zahnzwischenraumreinigung
  • regelmäßige Verlaufskontrollen
  • bei geeigneter Indikation Versiegelung oder Infiltration

Kavitierte Karies

Ist bereits eine nicht reinigungsfähige Kavität entstanden, muss der Defekt in der Regel restaurativ versorgt werden. Dabei wird so viel gesunde Zahnhartsubstanz wie möglich erhalten.

Je nach Ausdehnung kommen beispielsweise eine Kompositfüllung, ein Inlay, ein Onlay oder eine Teilkrone infrage. Quelle: International Caries Classification and Management System, „ICCMS™ Guide for Practitioners and Educators“.

Tiefe Karies

Bei tiefer Karies wird versucht, die Pulpa zu erhalten und eine unnötige Eröffnung des Zahninneren zu vermeiden. Das genaue Vorgehen hängt vom klinischen Befund, der Beschaffenheit des Dentins und dem Zustand der Pulpa ab.

Bei einer irreversiblen Entzündung oder Nekrose der Pulpa kann eine Wurzelbehandlung notwendig sein. Quelle: DGZ und DGZMK, S3-Leitlinie „Management von tiefen Kariesläsionen“, AWMF-Registernummer 083-062, 2025.

Kann sich Karies zurückbilden?

Eine frühe, nicht kavitierte Schmelzläsion kann stabilisiert und remineralisiert werden. Verlorene Zahnsubstanz wächst jedoch nicht wieder nach.

Ist bereits ein echtes Loch entstanden, kann der Defekt nicht durch Zahnpasta oder Fluorid geschlossen werden. Fluorid kann die verbliebene Zahnsubstanz stärken und die weitere Aktivität reduzieren, ersetzt aber keine fehlende Zahnhartsubstanz.

Wie lässt sich Karies vermeiden?

Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt bei bleibenden Zähnen mindestens zweimal tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta. Da die Zahnbürste den Zahnzwischenraum nicht ausreichend reinigt, sollen zusätzlich Zahnseide oder geeignete Interdentalbürsten verwendet werden.

Ebenso sollten sowohl die tägliche Gesamtmenge als auch die Häufigkeit zuckerhaltiger Speisen und Getränke möglichst gering gehalten werden. Bei erhöhtem Kariesrisiko können strukturierte Prophylaxeprogramme, zusätzliche Fluoridmaßnahmen und die Versiegelung gefährdeter Fissuren sinnvoll sein. Quelle: DGZ und DGZMK, S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen“, Version 2.0, 2025.

Wann sollte Karies behandelt werden?

Je früher eine aktive Karies erkannt wird, desto größer ist die Chance, sie ohne umfangreiche Entfernung von Zahnsubstanz zu kontrollieren.

Eine zeitnahe Untersuchung ist besonders wichtig bei:

  • einem sichtbaren Loch
  • wiederkehrenden Empfindlichkeiten
  • Schmerzen auf kalt, warm oder süß
  • spontanen oder nächtlichen Zahnschmerzen
  • Schmerzen beim Kauen
  • abgebrochener Zahnsubstanz
  • Schwellung des Zahnfleischs oder der Wange